DDR. Jürgen Noll
Wer bin ich? Was biete ich an?
 

Achtsame Körperarbeit nach Gindler/Jacoby

Eutonie und Embodiment

Wir er­le­ben uns selbst und un­se­re Um­welt seit Be­ginn un­se­res Da­seins in und durch un­se­ren Kör­per.

Die Körperarbeit nach Elsa Gindler und Heinrich Jacoby ist eine feinfühlige Form der körperlichen Selbsterfahrung, die sich dem gesamten Menschen in seiner Ganzheit zuwendet. Sie basiert auf phänomenologischen und prozessorientierten Prinzipien. Alles, was sich zeigt, wird wertschätzend angenommen. Es gibt keine festgelegten Übungen, kein Richtig oder Falsch, sondern bloß neugieriges Erkunden und Entdecken.

Diese Methode eignet sich daher besonders für Personen, die mehr über sich selbst und ihren Körper erfahren möchten oder mit emotional bedingten Verspannungen zu kämpfen haben und nach innerer Ausgeglichenheit suchen.

Im Fokus steht das Erlernen von Achtsamkeit für den eigenen Körper, die persönliche Entfaltung durch die Verbindung mit unserem Körper (Embodiment) sowie die Entwicklung eines neuen Bewusstseins für den Zustand und das Verhalten unseres Körpers. Signale des Körpers werden ernstgenommen und auf deren Bedeutung untersucht. Dafür kommen Atemübungen und kleine Bewegungsexperimente zum Einsatz. Dabei werden blockierende Haltungs- und Bewegungsmuster spürbar gemacht. Es werden neue Wege zur Auflösung dieser Muster gefunden und belastende Anspannungen weichen einer angenehmen und belebenden Wohl-Spannung (Eutonie).

Das Bewegen und Wahr­nehmen erfolgt in einem ent­spannten Zustand und folgt üblicherweise dem Atem­rhythmus. Es kann in jeder Körperlage gearbeitet werden. Jede Position bietet andere Möglichkeiten, das Körper­erleben und die inneren Empfindungen bewusst wahr­zunehmen und zu erkunden:

  • Im Liegen mag der Fokus auf dem Gefühl von Halt und Sicherheit liegen, das durch die Kontakt­fläche mit der Unterlage entsteht.
  • Beim Sitzen wird die Stütze und die aufrechte Position betont, was ein Gefühl von Stabilität und Unterstützung vermittelt.
  • Beim Arbeiten im Stehen geht es um das "Auf-treten", um Handeln und Ausdruck, wodurch die Körperhaltung eine aktive und expressive Qualität erhält.

Es wer­den un­ter­schied­li­che As­pek­te des kör­per­li­chen Er­le­bens ge­nau­er be­leuch­tet:

  • Das Ge­fühl, ge­tra­gen zu wer­den, steht in en­ger Ver­bin­dung mit der Schwer­kraft. Es er­laubt, sich be­wusst fal­len und gleich­zei­tig hal­ten zu las­sen, was ein tie­fes Ver­trau­en in die ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten för­dert. Die­se Er­fah­rung kann so­wohl im Sitzen, Ste­hen als auch im Lie­gen ge­macht wer­den und er­mög­licht ein in­ten­si­ves Aus­einan­der­set­zen mit der eigenen Beziehung zu dem, was Halt gibt und wie es sich anfühlt, "Boden unter den Füßen" zu haben und "fest im Leben zu stehen".
  • Die Atmung ist ein zentraler Aspekt, der als Geben und Nehmen wahrgenommen wird. Unterschiede in Empfindungen und Bewegungen werden bewusst erfahrbar, sei es zwischen links und rechts, vorne und hinten, oben und unten oder außen und innen. Dies ermöglicht ein tieferes Verständnis der eigenen Körperlichkeit und deren Vielfalt. Sie werden deutlicher wahrnehmen, was Ihnen "den Atem raubt" und wie Sie wieder "aufatmen und frei durchatmen" können.
  • Der innere Halt, geprägt durch die Stütze des Skeletts und die Beweglichkeit der Gelenke, bildet das Fundament für das Erleben von Stabilität und Mobilität. Dieser innere Halt bietet die Möglichkeit, sich sicher zu fühlen und gleichzeitig flexibel zu agieren, in Übereinstimmung mit sich selbst zu Angeboten der Umwelt "Ja" und "Nein" sagen zu können. Damit zeigen Sie sich selbst und der Umwelt, dass Sie ein "starkes Rückgrat haben".
  • Die inneren Räume des Körpers erscheinen in der Introspektion mehr und mehr durchlässig und flexibel, was ein Bewusstsein für das Zusammenspiel verschiedener Bereiche fördert sowie einen immer verfügbaren Rückzugsort ("die eigene Mitte") bewusst macht.
  • Die Haut dient als Grenze und als Kontaktfläche. Die Wahrnehmung von Oberfläche und Tiefe (manchmal unterstützt durch den Einsatz verschiedener Gegenstände) unterstützt dabei, eine reichhaltige sensorische Erfahrung zu schaffen. Dadurch wird die Beziehung zur eigenen Haut und deren Empfindungen intensiver wahrgenommen. Sowohl Abgrenzung als auch Kontaktfähigkeit werden gestärkt und es wird möglich, "sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen".
  • Letztlich wird durch die Befreiung der Stimme der Ausdruck der eigenen Gefühle und Empfindungen gefördert, was eine ganzheitliche Erfahrung und Integration unterstützt. Sie werden erleben, was es bewirkt, "gehört zu werden".